Barmherzigkeit statt Gereiztheit

Predigt vom 03. Februar 2019, Roland Werneck

Stellungnahme

der Gemeindevertretung der Evang. Pfarrgemeinde A.B. Wels zum Entscheidungsprozess „Trauung für alle?“

Die Heilige Schrift ist für uns Maßstab, Regel und Richtschnur des Glaubens.
Das Wort Gottes kündet von Gottes Liebe, Barmherzigkeit und Menschenfreundlichkeit. Es führt in die Freiheit, eröffnet einen weiten Raum und schenkt gutes, erfülltes und gesegnetes Leben. Es ruft zum kritischen Umgang mit der Welt und ihren Maßstäben auf.

Wir vertrauen auf das eine, Mensch gewordene Wort Gottes: Jesus Christus, Gottes Sohn.
Wir halten uns an den Maßstab Jesu, das Dreifach-Gebot der Liebe („Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst.“ – Lk. 10,27) als Kriterium unseres Glaubens und Handelns. Wo Menschen einander lieben, da ist Gott gegenwärtig und erfahrbar (1.Joh. 4,16 und 20).

Mit Martin Luther beziehen wir die Bibel unter dem Maßstab „Was Christum treibet“ auf uns und unser Leben, auf das Leben unserer Pfarrgemeinde, der evangelischen Kirche und unserer Gesellschaft.

Wir sind eine evangelische Pfarrgemeinde, in der unterschiedliche Traditionen und Frömmigkeitsprägungen Platz haben. Auch das Thema „Trauung für alle“ wird bei uns kontrovers diskutiert. Wir erleben Meinungsvielfalt an diesem Punkt nicht als Bedrohung, sondern als Herausforderung, das Gespräch miteinander zu suchen und aufeinander in gegenseitiger Wertschätzung zu hören.

Als Toleranzgemeinde, deren Geschichte in der Zeit der Gegenreformation von Repression und Intoleranz geprägt war, haben uns die Werte der Aufklärung und der Toleranz den Weg der Freiheit bereitet (Toleranzpatent 1781). Im Geist des Evangeliums und aufgrund dieser Geschichte fühlen wir uns den allgemeinen Menschenrechten und den Rechten von Minderheiten besonders verpflichtet,

Von dieser Grundlage aus befürworten wir die Annahme der Empfehlungen des Theologischen Ausschusses durch die Synode A.B. am 7. Dezember 2018 und sprechen uns für eine „Trauung für alle“ derjenigen aus, die am Standesamt die Ehe geschlossen haben.

Pfarrgemeinden, die sich durch Beschluss der Gemeindevertretung gegen eine „Trauung für alle“ aussprechen, soll das Recht eines „opt-out“ eingeräumt werden.

Für eingetragene Partnerschaften befürworten wir wie bisher die Möglichkeit einer Segnung im seelsorgerlichen Rahmen.

Deine Gemeinde – Dein Arbeitsplatz

Aufgrund einer anstehenden Pensionierung und Lebensbewegung gibt es in unserer Pfarrgemeinde die Stelle des Immobilienwartes (geringfügige Beschäftigung) zu besetzen. Haben Sie Interesse? Dann melden Sie sich bitte im Pfarrbüro, wo Sie gerne die Ausschreibung mit näheren Informationen erhalten.

Ausschreibung Immobilienwart m/w

Gott ist die Liebe

Wer die Stadt Wels besucht, wird sehr schnell die zentral gelegene Christuskirche entdecken. Sie wurde im 19. Jahrhundert gebaut und im Juni 1852 eingeweiht. Historisch bedeutsam ist, dass hier der erste evangelische Kirchenbau in Österreich entstanden ist, der mit einem Turm errichtet werden durfte. Das war durch die Aufhebung vieler Einschränkungen des Toleranzpatents möglich geworden.

Wer die Kirche betritt, liest hoch über dem Altarraum die Worte: „Gott ist die Liebe“. Ein kurzer Satz aus dem ersten Johannesbrief des Neuen Testaments. Tröstend, stärkend, ermutigend. Vielleicht aber auch ein Satz, der Widerspruch provoziert, weh tut, traurig stimmt. Es hängt wohl von der jeweiligen Lebenssituation ab, ob und in welcher Weise uns diese Worte ansprechen. Weiterlesen →