Ö1 – Gedanken für den Tag

Dienstag, 30.8.2011

Nichts ist so schwer, wie einen geliebten Menschen loslassen zu müssen. Die Beziehung zwischen Eltern und Kindern ist von Anfang an geprägt von dieser Spannung zwischen Festhalten und Loslassen. Es beginnt ja schon mit der Geburt. Ein Kind gebären, heißt für die Mutter, es das erste Mal loszulassen. Gleichzeitig braucht es das Neugeborene, dass es festgehalten wird.
Ich werde die Nacht, in der ich unsere Tochter das erste Mal in meinen Armen gehalten habe, nie vergessen. Inzwischen ist Frida zwei Jahre alt. Am Abend beim Einschlafen braucht sie immer noch eine Hand, an der sie sich festhalten kann. Tagsüber, wenn sie sich stark fühl, läuft sie manchmal alleine los und kümmert sich eine Zeit lang gar nicht darum, ob ihr jemand folgt.
Jede Mutter, jeder Vater tut sich schwer damit, das Kind loszulassen. Aber es gehört eben zur Entwicklung dazu. Wer sein Kind immer nur festhält, tut ihm nichts Gutes damit.
Kindergarten, Schule, Pubertät – für die Kinder sind das Stationen des Heranwachsens, für die Eltern Stationen des Loslassens. Manchmal freue ich mich darauf, wenn unsere Frida erwachsen sein wird, manchmal macht mich der Gedanke traurig, weil ich weiß, dass ich sie immer mehr loslassen muss.
Die Bibel vergleicht das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen an vielen Stellen mit einer Vater-Kind-Beziehung, manchmal auch mit einem Mutter-Kind-Verhältnis. Die Spannung zwischen Festhalten und Loslassen gibt es ja hier auch. Das Ziel ist ein Leben in Freiheit, dass sich gehalten weiß von einer liebenden Hand.

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