ORFNÖ – Morgengedanken

Freitag, 2.9. 2011

Leben in einer festen Beziehung bedeutet ein ständiges Wechselspiel zwischen Festhalten und Loslassen. In der ersten Phase der Verliebtheit steht zweifellos das Festhalten im Vordergrund. Erinnern Sie sich noch daran – oder sind Sie vielleicht gerade verliebt? Als ich meine Frau kennenlernte, wollte ich möglichst viel Zeit mit ihr verbringen, wollte sie nicht loslassen und auch nicht losgelassen werden. Aber irgendwann kommt in jeder Beziehung der Zeitpunkt, wo man spürt, es ist wichtig, auch Zeit für sich selbst zu haben. Wenn ich mein Gegenüber immer nur festhalten will, kann eine Partnerschaft nicht funktionieren. Gegenseitiges Vertrauen bildet die Grundlage jeder festen Beziehung und je stärker dieses Vertrauen da ist, desto leichter kann ich auch das Loslassen lernen.
Ich habe manchmal den Eindruck, viele Beziehungen scheitern daran, dass dieses Loslassen im Vertrauen nicht gelingt.
Es stimmt eben nicht, dass glückliche Paare ständig aneinander kleben. Loslassen im Vertrauen heißt, dem Gegenüber einen eigenen Freiraum zuzugestehen.
In jeder Partnerschaft, in jeder Ehe gibt es immer wieder natürlich auch Phasen, in denen das Festhalten wieder wichtig wird. Wenn es mir besonders schlecht geht, wünsche ich mir eine feste Umarmung vom meiner Frau. Wenn ich besonders glücklich bin, will ich das Glück mit ihr teilen und es gemeinsam festhalten.
Ich wünsche uns, dass es uns gelingt, das richtige Maß für das Festhalten und das Loslassen immer wieder neu zu lernen, so dass es uns selbst und unserem Gegenüber guttut.

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